Aktuelles über das HIV/AIDS-Projekt der Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung in Madurai / Tamil Nadu, Indien

 

Aus der Sicht des indischen Partners:

Dem jüngsten 25-seitigen Bericht vom 15. Febr. 2010 ist zu entnehmen:

In den beiden ersten Projektjahren konnten in den erfassten 60 Slumgebieten um Madurai bisher 120 erwachsene HIV/AIDS Infizierte (besonders Frauen) und 60 betroffene Kinder erreicht werden.

Im Rahmen gezielter Maßnahmen wurde viel erreicht:

  • Ihr Gesundheitszustand konnte durch medikamentöse Betreuung und aufbauende Zusatznahrung stabilisiert werden.
  • Die Angehörigen wurden über die Immunschwäche und den Umgang mit den Kranken aufgeklärt.
  • Als Folge wurden die meisten Erkrankten wieder in ihre Familien aufgenommen.
  • Die Frauen wurden in existierende Frauengruppen integriert.
  • Langsam begann damit auch ihre Akzeptanz im gesamten Umfeld.
  • Durch Schulung in einfachen handwerklichen Fertigkeiten - dazu mit Kleinkrediten ausgestattet – verdienen sie das Lebensnotwendige, manche sogar als Kleinunternehmer.
  • Durch Aufklärung von Lehrern, Schülern und deren Eltern steht den betroffenen Kindern die Schule wieder offen.

Vor allem aber:

Früher ausgegrenzt, bedroht, verachtet und hilflos am Rande der Existenz, hat sich jetzt ihr Leben total verändert: Sie haben zur Selbstachtung zurückgefunden und sind nicht mehr Verfemte am Rande der Gesellschaft.

 

Aus der Sicht deutscher Besucher:

„Im Oktober 2009 hatten wir Gelegenheit, an einer Projektreise der Andheri-Hilfe teilzunehmen. Auf dem Programm stand u. a. der Besuch eines Projektes der Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung. Mr. Joseph Vincent, Leiter der „Association for Rural Development“ (ARD), langjähriger Partner der Andheri-Hilfe, begleitete uns zu einem der 60 Slums von Madurai (Tamil Nadu), wo er sich in beeindruckender Weise HIV/Aids infizierter Menschen – besonders Frauen und Kinder - annimmt.

Wir hielten die Luft an, als wir durch die engen stickigen Gassen zwischen den elenden Behausungen der Menschen hindurch zu einem Treffen geführt wurden. Unsere Nasen erzählten uns von unglaublich unhygienischen Zuständen ohne Toiletten, ohne Kanalisation. Wasser muss von weit her auf dem Kopf herangeschleppt werden. Hier leben die Ärmsten der Armen.

Etwa fünfzig Frauen, einige mit ihren Kindern, erwarteten uns, dicht gedrängt am Boden sitzend. Für uns als Gäste standen einige Stühle bereit. Die Sprecher der Gruppen berichteten uns, dass sich hier in den Frauengruppen Gesunde und Infizierte zusammengefunden haben. Solidarisch kümmern sich die gesunden Frauen um die infizierten und deren Kinder: Sie sorgen dafür, dass die Erkrankten regelmäßig den Arzt aufsuchen und täglich ihre Medikamente nehmen, dass die Kinder in die Schule gehen usw.  

Die „ARD“ leistet hier vorbildliche Aufklärungsarbeit zu AIDS/HIV: Wie sind die Infektionswege? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Welche Rechte haben Kranke auf ärztliche Versorgung? Die ruhige, zugewandte Art, von Mr. Joseph Vincent bringt ihm das Vertrauen der Menschen ein. Er wird bei seiner Arbeit kompetent und engagiert unterstützt von seiner Frau, die wir im Projekt gegen Mädchentötung kennen lernen durften.

Früher wurden Menschen mit HIV/Aids von ihren Familien und von der Gesellschaft ausgeschlossen und verstoßen. In diesem Slum aber sind sie jetzt akzeptiert und angenommen!

Am Abend Treffen mit infizierten Familien: Meist sind es die Ehemänner, die HIV einschleppen, wenn sie oft wochenlang als LKW-Fahrer unterwegs sind. Die Frauen und Kinder sind die Hauptleidtragenden, wenn sie angesteckt werden. Zum Glück kann heute durch Medikamente verhindert werden, dass Säuglinge während des Geburtsvorgangs infiziert werden.

Die Frauen strahlen Optimismus aus, aber auf ihren Gesichtern liegen immer noch Spuren der unbeschreiblich leidvollen Erfahrungen. Unübersehbar ist aber die Freude, dass Menschen aus dem fernen Deutschland ohne Berührungsängste zu ihnen kommen und im Rahmen der Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung die Sorge um ihre Zukunft mittragen. Dazu kam die Bestätigung ihres eigenen Mühens, als die Gäste ihre selbst hergestellten Artikel des täglichen Lebens nicht nur bewunderten, sondern auch kauften.

Wir fühlen uns beschenkt durch das Vertrauen, das uns diese so hart betroffenen Menschen entgegenbrachten und stehen voll Bewunderung vor Partner und Betroffenen.“                                 

                                    Walter und Hannelore Lappe

                                                 (Gründungsstifter)

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